Insolvenzgeld. Toni Blauvogels zweiter Fall

Eigentlich hat Toni Blauvogel in diesem drückend heißen Sommer gar keine Lust auf Detektivarbeit. Matt und gereizt taumelt sie - immer noch arbeits­los - durch den Tag, und dass ihre neue Liebe ein paar Tage verreist ist, hebt ihre Stimmung auch nicht gerade. Da wird ein toter Mann aus dem Balde­neysee gefischt.

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Mitten im tiefsten Wirtschaftskrimi

„Er sah aus wie Heinz Erhardt. Rundes Gesicht unter nach hinten gekämmten schütteren Haaren. Große Brille aus dunklem Horn. Ich betrachtete das Foto, registrierte den üppigen Mund in diesem fast mongoloid wirkenden Mondgesicht, die leicht verschmitzt aussehenden Augen dieses Mannes.“ Schnell wird klar, dass der Tote in Radlerkleidung Insolvenzverwalter war und alles andere als eine reine Weste hatte. Toni folgt seiner Spur bis nach Oberhausen und steckt bald mitten im tiefsten Wirtschaftskrimi.

LESEPROBE

Das Gebäude wirkte düster und abweisend. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube sondierte ich den nur schlecht beleuchteten, aus quadratischen Granit­platten bestehenden Weg vor mir. Dort musste ich lang. Leider.Bisher war es doch gar nicht so schwer, versuchte ich mich auf­zumuntern. Das mulmige Gefühl in der Magengrube ließ sich nicht davon beeindrucken. Kneifen gilt nicht, Blauvogel, knurrte ich also. Bist schließlich nicht den ganzen Weg nach Oberhau­sen gefahren mitten in der Nacht, um jetzt

 

einfach wieder abzudrehen. Los jetzt! Zögernd setzte ich mich in Bewegung.
Ein Geräusch ließ mich abrupt inne halten. Für einen kurzen Mo­ment setzte mein Herzschlag aus. Es ist nichts, beruhigte ich mich. Dennoch verharrte ich reglos und lauschte angestrengt. Da war es wieder. Leise erst, ein dumpfes Brummen nur. Dann lauter. Bösartig. Und verdammt nah, direkt vor mir im tiefen Schlagschatten des Gebäudes. Kalter Angstschweiß lief mir in feinen Rinnsalen den Rücken hinunter.

Nicht, dass ich mich grundsätzlich vor Hunden fürchte. Eigent­lich komme ich gut mit Ihnen klar. Natürlich gibt es Ausnah­men. Daran jedoch sind eher die zugehörigen Hundebesitzer schuld. Man muss ein paar Dinge beachten, dann ist der Umgang mit Hunden kein Pro­blem. Ein paar Regeln nur: Nicht wild mit den Armen rudern. Keine hektischen Bewegungen. Freundlich und leise mit ihnen sprechen. Keine Angst zeigen. Nicht in ihr Revier eindringen. Wirklich einfach. Kein Problem. Aber eine dieser Spielregeln hatte ich verletzt. Leider war es die wichtig-

 

ste. Ich war über ein abgeschlossenes Tor geklettert und in ein eingezäuntes Grundstück eingedrungen.
Er ist bestimmt angekettet, versuchte ich mich zu beruhigen. Vorsichtig machte ich einen Schritt rück­wärts. Da war es wie­der. Ein langgezogenes Grollen, nicht we­niger furchtein­flößend als das erste Mal. Ich erstarrte. Denk nach, befahl ich mir. Denk dir was aus! Mir fiel nichts Geschei­tes ein. Zurück bis zu dem hohen Tor, über das ich vor ein paar Minuten geklettert war, kam ich nie und nimmer. Es sei denn, der Hund war ange­kettet.

Was ich nicht wusste. Und worauf ich auf keinen Fall ernsthaft setzen wollte.
Vorsichtig wendete ich meinen Kopf nach links, dann nach rechts. Der Weg, auf dem ich stand und der direkt auf den gläser­nen Eingang des Gebäudes zuführte, war in regelmäßigen Ab­ständen flankiert von einer Art Gerüst, das sich in leichten Bö­gen parallel zum Weg schwang und damit eine Art Kreuzgang bildete. Nur dass die tra­genden Säulen nicht rund und aus Stein waren, sondern sich wie die eisernen Streben des Eifelturmes in

 

einer Art Gitterwerk ver­schlungen in die Höhe hoben. Knapp zwei Meter links hinter mir befand sich eine dieser Säulen. Dort musste ich hin.
Behutsam machte ich einen weiteren Schritt rückwärts. Augen­blick­lich knurrte es. Schwoll an und ging in ein wütendes Bellen über. Etwas Massiges setzte sich in Bewegung. Ich spurtete los. Das Bellen wurde lauter, aggressiver... erreichte die Säule, griff nach einer Strebe, zog mich hoch... spürte, wie das Tier hinter mir ebenfalls in die Höhe sprang... nach mir schnappte - oh

Gott, ich spürte schon die Zähne in meinem Fleisch, schwer zog es an mir. Dann hörte ich Stoff reißen und ein lautes Platschen, mit dem das Viech zurück auf den Boden schlug.
Hastig kletterte ich weiter, hangelte mich höher und zog mich schließlich auf den zur nächsten Säule hinüber gespannten Bo­gen hinauf. Der Hund sprang knurrend an dem Pfeiler hoch, rutschte an dem Metall ab und landete erneut mit einem unele­ganten Plumpsen auf dem Boden. Er versuchte es noch ein paar Mal, dann gab er auf. Um­kreiste die Säule und setzte sich

 

schließlich mit aufmerksam nach oben gerecktem Kopf und lautem Grollen vor den metal­lenen Pfeiler.
Ich kniete immer noch auf allen Vieren. Tastete vorsichtig mit der Hand mein Hinterteil ab. Es schien unversehrt. Aber in die Jacke hatte das Biest ein großes Loch gerissen. Meine gute Wan­derjacke! Ich hatte sie angezogen, weil sie dun­kel und leicht war und über eine Reihe von Taschen verfügte, in die ich die wich­tigsten Utensilien packen konnte. »Scheißköter«, fluchte ich. Der Köter war ein Rottweiler. Groß. Schwarzbraun. Mit massi-

gem Kopf und einem mächtigen Gebiss. Und er knurr­te erneut sehr bedrohlich.
Vorsichtig drehte ich mich aus der Vierfüßlerposition in die Sitzhaltung. Etwas rutschte aus meiner Jackentasche und schlug mit einem hässlich metallenen Geräusch auf dem Boden auf. Mein Handy. »Clever, Blauvogel!«, kommentierte ich böse. Und während ich meine Lage sondierte, feststellte, dass ich keine Chance hatte, zurück zum Tor zu ge­langen und versuchte, eine halbwegs bequeme Position auf mei­ner Querstrebe zu finden,

 

machte es sich der Hund gemütlich, legte den massigen Kopf auf seine ausgestreckten Vorderbeine und signalisierte mir ab und zu mit einem tiefen Grollen aus sei­nem mächtigen Brustkorb, dass er seine Aufgabe nach wie vor sehr ernst nahm. Ich beob­achtete, wie der Mond langsam überdem Wipfel eines Baumes auftauchte, wartete darauf, dass ir­gendein Wachdienst vorbei­kommen und mich aus meiner miss­lichen Lage befreien würde und verfluchte den Tag, an dem das alles begonnen hatte.

PERSONEN

Gerhard Schöffler

verwaltet Insolvenzen und wird tot aufge­funden.

Karin Schöffler

ist ihren Mann endgültig los und damit auch einige Sorgen.

Hedda Kaldenbach

ist Schöfflers Partnerin und genauso gewieft im Abwickeln von Insolvenzen wie er.

Martin Borg

ist insolvent und fühlt sich betrogen. Dabei läuft er zu Höchstform auf.

Horst Krullkowski

interessiert sich nicht für Insolvenzen und steckt tiefer drin, als man glaubt.

Ruby Hauser

bekommt Insolvenzgeld und kann demnächst Privatinsolvenz anmelden.

Augustus Monk

versteht viel von Insolvenzen und hilft Toni auf die Sprünge.

Mike aus Kupferdreh

verfügt über ein fundiertes Geschichtswissen, vor allem, wenn es um Motorräder geht.

Reinhold Schütte

ermittelt nicht beim Tod des Insolvenzverwal­ters und ist immer weniger verkehrt.

Max Schulze

hat Zukunftspläne und hackt nur noch legal.

Toni Blauvogel

weiß bald mehr über Insolvenzen, als ihr lieb ist.

DATEN ZUM BUCH

Ursula Sternberg: Insolvenzgeld (Buchumschlag)

 

Ursula Sternberg
Insolvenzgeld

ISBN 3938834412. EAN 9783938834411. Libri 7928874
assoverlag Oberhausen
Erschienen April 2009. Preis 12,90 €
Taschenbuch. Ca. 240 Seiten

BUCHKRITIK

„Sympathischer Ruhrgebietskrimi mit einer erfrischend mensch­lichen und normalen Heldin: zeitnah, aktuell und humorvoll.“

Krimiblock. Die dunkle Seite
12.12.2010

Link

„Spannend, das Herz auf dem rechten Fleck, führt Ursula Sternberg den Leser nicht nur zum Täter, sondern nimmt ihn auch mit auf ei­ne Reise durch das Ruhrgebiet. Insolvenz, Arbeitslosigkeit, Wirt­schaftskrise - bester Nährboden für spannende Unterhaltung.“

Buchhaus Altenessen. Buchhaus Blog »vonne Ruhr«
15.5.2009

Link

„...Alles in allem ein spannendes Buch und einfach ein gut gemachter Wirtschaftskrimi aus dem Ruhrpott ohne viel Blut und extremer Gewalt, einfach aus dem Leben gegriffen, stellenweise auch sehr witzig und in jedem Fall lesenswert.“

Katja Kaygin
8.10.2009

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„...Habe dieses Buch sehr genossen und verspüre große Lust, auf den im Krimi genannten Spuren in Essen zu wandeln. Passt super in unsere Zeit der Insolvenzen und lässt sich prima mit einem Glas Wein und einem französischen Käse auf dem Balkon genießen.... Lesenswert!“

Astrid Hase
3.8.2009

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URSULA STERNBERG

Ursula Sternberg

 

Ursula Sternberg, geboren 1958 in Duisburg, wuchs in Frankfurt auf. 1978 kehrte sie ins Ruhrgebiet zurück, studierte Lehramt für Kunst und Geschichte und schulte anschliessend in die IT-Branche um. 18 Jahre lang war sie als Anwendungsentwicklerin und Systemanalyti­kerin gut im Geschäft. Der Einbruch in der IT-Branche hatte dann gegen Ende des Jahres 2003 auch sie erreicht. Seit Oktober 2004 arbeitet sie wie­der in ihrem Be­ruf.

Die Zeit der Arbeitslosigkeit nutzte sie, um ihr erstes Buch „Variationen der Wahrheit“ fertigzustellen, an dem sie mit einigen längeren Unterbre­chungen fünf Jahre gearbeitet hatte, und um ihr zweites Buch „Ruhr­schnellweg“ zu schreiben. Beide Titel erschienen 2007 im Assoverlag Oberhausen. Im September 2007 trat sie dem SYNDIKAT (Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur) bei. Zusammen mit vier weiteren Krimiautoren des SYNDIKATS-Krimistammtisch Ruhr wurde sie im Rah­men der „Charme Offensive Ruhr“ zur Botschafterin des Ruhrgebiets er­nannt. Im Dezember 2008 erhielt sie unter der Rubrik „Lieblingskrimi 2008“ für den Titel „Ruhrschnellweg“ den Literaturpreis „EhrenLöwin“.

Neben ihrem Beruf und dem Schreiben malt sie, überwiegend in Öl, und hat bereits an zwei Gruppenausstellungen teilgenommen. Sie lebt mit ih­rem Mann und ihren beiden Katzen in Essen.

Ursula Sternberg Verlagskontakte


Assoverlag


Im assoverlag Oberhausen sind die Krimi­nalromane Insolvenzgeld, Ruhrschnellweg und Variationen der Wahrheit erschienen.

assoverlag Ingrid Gerlach
Hasenstraße 15
46119 Oberhausen
T +49 (0)208 / 62 90 032
F +49 (0)208 / 62 90 033
M info@assoverlag.de


Emons Verlag


Der Kölner Emons Verlag veröffentlicht den Roman Nachtexpress im September 2010.


Emons Verlag Köln
Lütticher Straße 38
50674 Köln
T +49(0)221 / 5 69 77 -0
F +49(0)221 / 52 49 37
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